im blauen Sessel 2026

Die 19. philosophisch-literarische Salonnacht findet am 24 April 2026 statt zum Thema HALTUNG statt.

HALTUNG
Wo stehen wir? Welche Werte, inneren Einstellungen und Überzeugungen haben wir, die unserem Fühlen, Denken und Handeln eine Richtung geben?

Unsere Haltung zur Welt, zu uns selbst und zu anderen Menschen prägt den Weg, den wir im Leben einschlagen - und wie wir ihn gehen. Selbstzentriert oder mitfühlend. Unbelehrbar oder kompromissbereit. Mit engem Herzen oder mit offenen Armen.

Eine Haltung, einen inneren Kompass zu haben bedeutet jedoch nicht, andere Betrachtungsweisen nicht gelten zu lassen.

Das Aushalten anderer Meinungen und Überzeugungen, das Bemühen, im Gespräch zu bleiben, ist Ausdruck einer Haltung des Respekts und der Toleranz, die wir in Zeiten der Polarisierung und Radikalisierung vielleicht wieder lernen müssen.


Die Mitwirkenden der Salonnacht 2026 beschäftigen sich mit unterschiedlichen Facetten von Haltung. Immer steht jedoch der Mensch im Mittelpunkt, in seiner Beziehung zu anderen und zu sich selbst.

Unsere Gäste 2026

 

Christopher Kloeble

Durch das Raue zu den Sternen

Die dreizehnjährige Arkadia, genannt Moll, schert sich nicht um Konventionen. Das musikalisch hochbegabte Mädchen ist eine Außenseiterin, die – aus Selbstschutz? – vom eigenen Genie und der Dummheit der anderen überzeugt ist. Ihr Plan: Solistin in einem weltberühmten Knabenchor werden, um damit die ebenfalls hochmusikalische Mutter, die die Familie verlassen hat, zur Rückkehr zu bewegen. Da Moll jedes „Nein“ als Ansporn versteht, geht sie unbeirrt ihren Weg. Doch kann das ihre Mutter zurück bringen?

Der vielfach ausgezeichnete Roman- und Drehbuchautor schreibt auch u.a. für die ZEIT und die FAZ. Er studierte am Deutschen Literaturinstitut Leipzig und las beim Ingeborg- Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt. Als Kind sang er im berühmten Tölzer Knabenchor.


Foto: Maximilian Gödecke

Christopher Kloeble liest im Rathaus


 

Steffen Nowak

Die Augen des ewigen Bruders

Der indische Richter Virata versucht in seinem Leben keine weitere Schuld auf sich zu laden, nachdem er versehentlich seinen Bruder getötet hat. Seine Selbstgewissheit wird erschüttert, als ein Verurteilter ihm vorwirft, nicht zu wissen, wie sich Kerker und Dunkelheit anfühlen. Virata lässt sich einkerkern und erkennt, dass es keine absolute Gerechtigkeit gibt. Er wird zum Eremiten, doch lädt er auch damit Schuld auf sich. Muss er sich erniedrigen, um seinem Ideal der Schuldlosigkeit näher zu kommen?

Der Schauspieler, Autor und Regisseur stellt die 1921 erschienene „Legende“ von Stefan Zweig vor. Nowak studierte Schauspiel in München, Burghausen und Los Angeles. Heute steht er als Regisseur vornehmlich hinter der Kamera.


Foto: Sebastian Krawczyk

Steffen Nowak liest in der Marktstr. 2, in der Konditorei Weber und Weiss



 

Christian Uhle

Wozu das Alles?

Das Kippen der Ökoysteme, der Vertrauensverlust durch „alternative Fakten“ und der Eindruck, es gelte nur noch das Recht des Stärkeren, führen bei vielen Menschen zu Fatalismus oder sogar Nihilismus. Christian Uhle sucht unter philosophischen, soziologischen und psychologischen Perspektiven nach Möglichkeiten, im Leben Sinn zu finden. Dazu gehört ein aktives Wollen, eine Haltung: zum Beispiel die Hingabe an eine Aufgabe und die Bereitschaft, sich im Inneren vom Außen berühren zu lassen und so eine Verbundenheit mit der Welt herzustellen.

Der Philosoph steht mit zahlreichen Publikationen, Veranstaltungsreihen und Medienauftritten für den Brückenschlag zwischen Philosophie und gesellschaftlicher Praxis. Er war philosophischer Berater für die ARTE-Reihe Streetphilosophy, die für ihren innovativen Ansatz mit dem Grimme-Preis geehrt wurde.


Foto: Tobias Stubbe

Christian Uhle liest in der Marktstr. 13, Figurentheater, Eingang über die Brotlaube



 

Stefan Bollmann

Monte Veritá

 

Der Traum vom „alternativen“ Leben ist nicht neu. Ein Hügel bei Ascona wurde vor über hundert Jahren zum Ort einer Gegenkultur, wo zivilisationsmüde Künstler und Intellektuelle als Reaktion auf die Überflussgesellschaft ein radikal minimalistisches Gesellschaftmodell verwirklichen wollten. Mit ihren teils extremen Ansichten zu Naturnähe und Körperkult, Veganismus und Freikörperkultur, sowie ihrem exzentrischen Lebensstil, zogen sie zwar Anhänger aus aller Welt an, wurden jedoch auch zum Gespött ihrer ländlichen Nachbarn.

Stefan Bollmann, u.a. Bestsellerautor einer gegen den Strich gebürsteten Goethe-Biographie, studierte Literatur, Geschichte und Philosophie. Seine Bücher, so auch Monte Veritá, zeichnen sich durch einen genauen historischen Blick mit Sinn für das Anekdotische und unfreiwillig Komische aus.


Foto: Christoph Mukherjee

Stefan Bollmann liest im Wirtschaftsmuseum in der Marktstr. 22



 

Nadiia Khatymlianska

Zeitlos/No time (Kurzfilm)

In dieser Sozialsatire nach einem Drehbuch von Christina Reuter wird in einer nahen Zukunft am Arbeitsplatz Uniformität und Anpassung verlangt. Lia hinterfragt das System nicht, bis sie eines Morgens einen „Zeitnotfall“ erleidet. Sie ist nun kein produktives Mitglied der Gemeinschaft mehr und wird ins Home Office strafversetzt. Dort lernt sie ihre ältere Nachbarin kennen, die ihr eine bunte und individuelle Welt eröffnet. Wagt Lia den Aufbruch in dieses „Chaos“ oder sucht sie erneut die Sicherheit der Anpassung?

Die Regisseurin von ZEITLOS studierte Philologie sowie Dokumentar- und Spielfilmregie in ihrer Heimatstadt Kyjiw. 2024 schloss sie den Masterstudiengang Regie an der Hamburg Media School ab. Sie arbeitet als Filmemacherin zwischen Kyjiw und Berlin.


Foto: privat

Nadiia Khatymlianska präsentiert ihren Film im Museum Ravensburger, Marktstr. 26



 

Susanne Gregor

Halbe Leben

Klara und Jakob stellen die Slowakin Paulína als Pflegerin für Klaras Mutter an. Doch in der erzwungenen Hausgemeinschaft sind die Rollen nicht klar definiert. Ist Paulína „Personal“ oder Freundin? Welche Haltung soll man ihr gegenüber einnehmen? Und wie steht Paulína zu dem Paar, das die Pflegerin braucht, sie aber doch ihre Herablassung spüren lässt? Paulína leidet zunehmend unter ihrer völligen Vereinnahmung. Und sie beschließt, sich die Hoheit über ihr Leben mit einem radikalen Schritt zurückzuholen.

Die Autorin kam als Kind aus der Slowakei nach Österreich und studierte Germanistik und Publizistik in Salzburg. Nach einer Dozentenstelle für Deutsch als Fremdsprache an der University of New Orleans kehrte sie nach Wien zurück und veröffentlichte in den letzten Jahren mehrere, teils preisgekrönte Romane.

Foto: Heribert Corn

Susanne Gregor liest im Musikhaus Lange, Marktstr. 27


 

Charlotte Wiedemann 

Die Kunst des Abschiedsnehmens

Die Haltung zur (eigenen) Sterblichkeit beeinflusst maßgeblich, wie man mit Verlust und Trauer umgehen kann - bestenfalls als Teil des Lebens, der gestaltet werden kann. Neben persönlichen Erfahrungen in der Begleitung von Sterben, Tod und Trauer gibt Charlotte Wiedemann einen Einblick, was in Deutschland heute schon möglich und „erlaubt“ ist, um Abschiede individueller zu gestalten als bisher üblich.

Die Autorin studierte Journalismus in London und fand durch ein persönliches Erlebnis zu ihrem Herzensthema: dem Umgang mit Verlusten und Abschieden. Beim größten Bestattungsunternehmen Deutschlands in Berlin verantwortet sie heute die Bereiche Innovation und Kommunikation in der Trauer- und Bestattungskultur.

Foto: Gustav Düsing

Charlotte Wiedemann liest im Humpishaus, Humpisstr. 5



 

Ole Nymoen

Warum ich niemals für mein Land kämpfen würde

Deutschland rüstet auf – auch mental. In weiten Teilen der Bevölkerung scheint Konsens zu herrschen, dass das Land angesichts drohender Kriegsgefahren verteidigungsfähig werden muss. Doch ist das Sicherheitsinteresse eines Staates gleichzusetzen mit den Interessen seiner Bürger? Und hier im Besonderen der „wehrfähigen“ Männer, die im Zweifelsfall nicht nur ihr eigenes Leben riskieren, sondern auch andere Menschen töten müssten? In seinem kontrovers diskutierten Buch begründet Ole Nymoen sein Nein zum Kampf.

Der Autor studierte Wirtschaftswissenschaften und Soziologie. Neben mehreren Büchern schrieb er Beiträge für die Wochenzeitung Der Freitag und die Wirtschaftswoche und ist Kolumnist des Magazins Jacobin. Er hostet mit Wolfgang M. Schmitt den Podcast Wohlstand Für Alle.

Foto: Mark Sanchez

Ole Nymoen liest in der Wohnung Frank in der Marktstr. 43


 

Angelika Overath

Calanda oder Alvas Antwort

Wie soll sie umgehen mit ihrer tödlichen Krankheit? Alva steigt auf zum Gipfel des Berges Calanda. Sie möchte eine Haltung entwickeln zu der Diagnose, die ihr Leben verändert. Kann sie weiter eine gute Mutter sein? Vielleicht ist ihr Leben nichts mehr wert, nur eine Last für sie und die Menschen in ihrem Leben. Doch Schritt für Schritt, Höhenmeter für Höhenmeter, erkennt sie, dass eine Stärke darin liegen kann, die eigene Schwäche anzunehmen.


Die Autorin eines umfangreichen journalistischen und literarischen Werkes wurde vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Egon-Erwin-Kisch-Preis und dem Thaddäus-Troll-Preis. Die gebürtige Badenerin lebt in Sent, im Engadin, wo sie eine Schule für Kreatives Schreiben führt.


Foto: Franziska Barta

Angelika Overath liest in der Wohnung Baur in der Marktstr. 51